Unser Abenteuer in Kolumbien geht mit einem wirklichen Highlight weiter. Wir besuchen den Pandora Forest. Der Name stammt einerseits einer Sage nach von einer verirrten Hündin, andererseits wurden aber auch Teile von der bekannten Filmreihe Avatar in diesem abgelegenen Wald gedreht. Durch die speziellen Gegebenheiten vor Ort bildet das Karstgebirge enge Schluchten, welche mit dichtem Grün bewachsen sind. Ein einzigartiger Ort – so viel vorweg!
Geopark Pandora Forest
Die Anfahrt hier hin stellt sich bereits als Abenteuer für sich heraus. Der Pandora Forest ist noch kein grosses Touristenziel und daher führen auch nur sehr holprige, ausgewaschene Kiesstrassen hier hin. Für die letzten 23km brauchen wir fast 2 ½ Stunden! Zu diesem Zeitpunkt, hoffen wir nur noch, dass sich der Weg auch wirklich lohnt, denn wir wissen, wir müssen dieselben Strassen wieder zurückfahren! Wir werden allerdings freundlich empfangen und können die Nacht auf einem etwas steilen Kiesparkplatz direkt beim Zugang zum Geopark Pandora Forest verbringen, bevor es am nächsten Morgen früh los gehen soll.
Wie bereits erwähnt ist der Geopark noch kein grosses Massentouristenziel. Die Gegend hier ist sehr einfach, nur vereinzelte kleine, rustikale Bauernhöfe mit ein paar Hühnern, Ziegen und wenigen Kühen sind hier verstreut. Eine Familie hat erst vor ein paar Jahren (nach dem der Film Avatar hier gedreht wurde) damit begonnen Touren durch diese einmalige Landschaft anzubieten. Ausserdem haben sie bereits drei kleine, einfache Cabañas (kleine Lodgen) für Gäste und bauen derzeit zwei weitere. Alle Leute, die hier angestellt sind (Köchin, Guides, Bauarbeiter etc.) sind Nachbaren und kommen aus der direkten Umgebung – fast alle kommen zu Fuss zur Arbeit. Die meisten kennen sich von Kindesbeinen und so ist auch der Umgang untereinander und uns Gästen gegenüber; offen und sehr locker. Wir geniessen die Atmosphäre hier sehr und in so einem Umfeld unterstützen wir gerne den lokalen Tourismus.
Pandora Forest
Wir beginnen den Tag für unsere Verhältnisse früh um halb sechs damit wir noch frühstücken und abwaschen können bevor wir uns um halb acht mit unserem Guide und dem kolumbianischen Paar, welches unsere Gruppe vervollständigt, auf eine Tasse „Tinto“ (schwarzer Kaffee) treffen.
Drei verschiedene Aktivitäten haben wir heute vor. Wir besuchen den Pandora Forest , die Cueva Santuario und die Cueva del Oro.
Kurz hinter dem Besucherzentrum beginnt der zeitweise recht abenteuerliche Wanderweg durch das Karstgebirge des Pandora Forest, ein richtiges Labyrinth aus hohen Felsen. Der Besuch im Park ist nur mit einem Guide erlaubt, und hier ist auch klar wieso; Ohne unseren Guide hätten wir uns wohl ziemlich schnell verlaufen.
Wir wandern also auf sehr naturbelassenen Pfaden durch das Karstgebirge und dessen Felsenschluchten. Es ist wirklich hindurch, da links und rechts vom Weg meistens mehrere zehnmeterhohe Steinsäulen gegen den Himmel ragen. Im feucht-kühlen Klima werden die Gesteinsformationen mit allerlei Moos und für unseren Blick exotischen Pflanzen überwuchert. Herrlich der Anblick! Wir kommen nur langsam vorwärts, wir müssen die Eindrücke einfach immer wieder auf uns wirken lassen. Und natürlich tausende von Fotos machen.
Als Einschub: Im Film Avatar wird ein weit von der Erde entfernter Mond – Pandora – als Zielgebiet für Ressourcenabbau der Menschen definiert. Auf diesem Mond lebt ein Urvolk im Einklang mit der Natur und ebendiese Natur wird im Film so porträtiert wie der Pandora Forest sich hier in Kolumbien präsentiert. Entsprechend wähnen wir uns wahrhaftig auf den Spuren der Na’vi – dem indigenen Volk aus dem Film Avatar.
Teilweise wirkt die Szenerie tatsächlich wie von einem anderen Planeten. So verbringen wir etwa gleich viel Zeit mit Wandern wie mit Fotografieren. Zum Glück geht es unseren Mitbesuchern ähnlich, das Ehepaar aus Medellín staunt ebenso wie wir über die eindrückliche Landschaft und macht wohl noch mehr Fotos als wir.
Nach knapp zwei Stunden finden wir das Ende des Rundweges und entkommen dem Gesteinslabyrinth dank der Hilfe unseres Guides. Natürlich erklärt er uns während der Tour einiges über die Entstehung solch einer Karststeinlandschaft und die dichte Flora, die wir unterwegs antreffen. Vieles kennen wir schon aus anderen Touren. Das Kalkgestein wird wegen der vergleichsweisen guten Wasserlöslichkeit ausgewaschen und das übrige Gestein bleibt in den schroffen Formationen zurück. Die Erklärungen des Guides sind nicht nur inhaltlich sehr interessant, sondern auch super, um unser Spanisch zu verbessern. Hinzu kommt, dass die Kolumbianer sehr interessiert an der Schweiz und auch an unserer Reise sind, so ist die Wanderung gleichzeitig auch ein bisschen Spanischschule für uns.
Santuario – Heiliger Zufluchtsort
Sozusagen gleich neben dem Pandora Forest auf dem Rückweg zum Ausgangspunkt und Besucherzentrum liegt das Santuario – oder ein heiliger Zufluchtsort. Es ebenso ein eindrücklicher Ort, jedoch nicht vergleichbar mit dem ausserplanetarischen Erscheinungsbild des Pandora Forests. Wir steigen auf steilen Treppen mit hohen Stufen in eine fast kreisrunde Vertiefung im Gebirge hinab. Sie ist sicher 30m – 40m tief. Vom Boden der Vertiefung aus gehen jeweils links und rechts eine grosse Höhle weiter ins Gebirgsinnere. Diese beiden Höhlen sind jeweils selber nochmal ähnlich tief wie die Hauptvertiefung mit ihrer gegen oben offene Form. Ein schöner Ort und wir können die Wichtigkeit dieses Ortes nachvollziehen, jedoch ist sie für uns jetzt nicht so eindrücklich. Schön anzusehen ist das Santuario aber trotzdem.
Cueva del Oro – Goldhöhle
Am Nachmittag ist die Attraktion etwas weiter weg. Wir marschieren zuerst oberirdisch eine gute halbe Stunde mit unseren geliehenen Gummistiefeln bis zu einem recht versteckten Höhleneingang, der auch noch mit Hecke und Schloss fast übervorsichtig gesichert ist. Und auch hier: Die grossen Touristenmassen sind zum Glück noch nicht an diesem Ort angekommen und wir können die Höhle fast ausschliesslich im naturbelassenen Zustand erkunden. Es gibt keine breiten, betonierten Wege und gewisse Passagen sind ein wenig abenteuerlich. Mal geht es über grosse Geröllblöcke hinauf, dann durch einen Wasserlauf wieder weiter. Schliesslich gelangen wir in einen Höhlenraum, wo es in der Mitte eine natürliche Dusche gibt. Hier regnet das gesammelte Wasser von der Oberfläche kontinuierlich in die Höhle und fliesst dann durch die oben erwähnten Flussläufe unterirdisch weiter.
Nun aber noch zum Namen der Höhle, warum wird diese Höhle Goldhöhle genannt? Ganz einfach: Weil weite Teile der Höhlenwände mit silbern und golden schimmernden Punkten überzogen sind. Bei ganz genauer Betrachtung sind es wie kleine Wassertropfen, die den schimmernden und glitzernden Effekt hervorrufen. Die Forschung sei immer noch im Gange, ob es sich um Mikroorganismen oder eine Pflanzenart handelt die mit den Mineralien reagiert und den Goldhöhleneffekt hervorruft.
Im letzten Höhlenraum vor der Umkehr machen wir zudem mit der ganzen Gruppe noch ein kurzes Experiment, das wir so nicht präsent in Erinnerung hatten aus der Vergangenheit. Da die Höhle nur durch einen kleinen Spalt zugänglich ist und wir uns mittlerweile einige Windungen weiter im Innern befinden ist es absolut dunkel. Alle schalten auf Anweisung für wenige Minuten die Stirnlampen aus und wir erfahren so absolute Dunkelheit. Ob wir die Augen geöffnet oder geschlossen halten macht offensichtlich keinen Unterschied. So wird sich wohl ein blinder Mensch die ganze Zeit fühlen oder besser gesagt keine Eindrücke von den Augen verarbeiten. Einen Moment bleiben wir in Stille, ein weiterer Moment reden wir doch miteinander in der Dunkelheit – echt spannend! Wann wir wohl das nächste Mal in absoluter Dunkelheit sein werden? Abgesehen von der Natur war das ebenso ein spannender Moment im Geopark Pandora Forest.
So schnell vergeht ein ganzer Tag auf den Spuren der Na’vi in einem irdischen Naturparadies. So paradiesisch, dass es sich direkt wieder ausserirdisch anfühlt! Wir geniessen den Abend noch bei einem gemütlichen Lagerfeuer und lernen die kolumbianischen Touristen aus Medellín besser kennen – so haben wir nun direkt für beide grossen Städte Bogotá und Medellín einen Kontakt. So viele Einheimische haben wir gefühlt in ganz Zentralamerika nicht kennengelernt wie in den ersten zwei Wochen in Südamerika und natürlich speziell in Kolumbien. Herzlich, aufgeschlossen und interessiert waren bis jetzt noch alle Kolumbianer! So macht das Reisen nochmals deutlich mehr Spass als ohnehin schon.
PS: Die lange Anfahrt über die holprige Strasse hat sich für uns zu 100% gelohnt! Auch wenn die Rückfahrt noch länger gedauert hat!
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